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MAZ 15.05.2003

Richtfest am Forsthaus Templin
Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff eröffnen Brau-Manufaktur/ Künftig auch Potsdamer Stangenbier

Eines der schönsten Ausflugslokale erwacht zu neuern Leben. Das seit Herbst '97 geschlossene Forsthaus Templin bekommt ein neues Dach, heute wird Richtfest gefeiert. Mitte August wollen Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff die Eröffnung ihre Brau-Manufaktur Forsthaus Templin eröffnen.
Sie kauften das Haus mit Nebengebäuden und dem 6490 Quadratmeter großen Grundstück 2002 von der Treuhandliegenschaftsgesellschaft.
Mit einer so genannten Gestattung wollen die Braumeister und Mälzer am Himmelfahrtstag und dann zu Pfingsten Schleswiger Bier ausschenken. Künftig aber werden sechs bis sieben Biersorten, darunter Pilsner, heller und dunkler Bock, Braun- und Weizenbier produziert. Darunter auch das vor 1945 so beliebte Potsdamer Stangenbier in den typischen hohen Gläsern.
In zehn Edelstahltanks reifen ab Juli jährlich insgesamt 3000 Hektoliter des edlen Gerstensaftes. Die Konkurrenz der beiden anderen Potsdamer Brauhäuser fürchten Köhler und Kirchhoff nicht, denn ihr "flüssiges Brot" ist nicht nur für die Gäste bestimmt. Sie wollen Gaststätten beliefern und den Kunden in zehn-Liter-Fässchen und Siphons Bier außer Haus verkaufen.



Köhler ist Potsdamer und hat wie sein Kleinmachnower Partner im Getränkekombinat Rehbrücke gelernt, an der Berliner TU studiert und sich dann in Niedersachsen die ersten Sporen verdient. Mit dem Brauhaus erfüllen sich beide einen Traum. Die Traditionsgaststätte soll einen musealen Touch haben: Dafür kaufte man in Bayern zwei handgetriebene, kupferne Sudkessel aus den 20-ern. Die Malz-Schrotmühle hat über 50 Jahre auf dem Buckel; die alten Eichenfässer, Gärbottiche und Bierflaschen stammen von der Traditionsbrauerei Seibert. Sie versorgte die Babelsberger noch vor 30 Jahren mit schmackhaftem Malzbier.
Der große Gastraum mit 90 Plätzen bekommt eine Holzbalkendecke und rustikales Mobiliar. Geplant ist deutsche Küche. Im großen Biergarten mit seinen stattlichen alten Bäumen finden 100 Gästen Platz. Fest einstellen wollen die Eigentümer erst einmal einen Koch und einen Serviceleiter, dazu kommen später noch Saisonkräfte.
Weil das äußere Erscheinungsbild des Hauses denkmalgeschützt ist, wird das Dach wieder mit Berliner Biberschwanzziegeln eingedeckt, bleiben die Fledermausgauben erhalten, erhält die Fassade einen sandsteinfarbenen Glattputz. Mit Eigenleistungen schätzen Köhler und Kirchhoff die Investition auf eine knappe Million Euro. Bisher haben die beiden 32-Jährigen selbst tüchtig mit Hand angelegt. Sie entrümpelten das Gelände, setzen den Zaun, pflasterten die alte Lindenallee neu und richten auch den Kinderspielplatz wieder her.
Das Forsthaus Templin kann bereits auf eine 170jährige Gaststättentradition zurückblicken; denn schon 1834 richtete der Kaufmann Eduard Reinhardt hier ein Ausflugslokal ein. Zuvor hatte das Gut Friedrich von Bismarck gehört, dem Lieblingsonkel des späteren Reichskanzlers. Als Student soll der junge Otto von Bismarck hier oft seine Ferien verbracht haben. Seine Blütezeit erlebte das Haus in den 20-er und 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts. Damals brachten Dampfer täglich bis zu 1500 Besucher hierher, gehörten Ufa-Stars wie Hansi Knoteck und Gustav Fröhlich zu den Gästen.
Zu DDR-Zeiten noch gut besucht, wurde das Lokal nach der Wende zum Sorgenkind. Nachdem der langjährige Leiter Dieter Nowak aus gesundheitlichen Gründen aufgehört hatte, gab der Schwarzwälder Wirt Joseph Hajnal hier ein einjähriges Gastspiel. Seitdem stand das Haus leer. kama

 

 
 

PNN 15.05.2003

Richtkrone über dem Forsthaus - Seit 1834 bestehendes Gasthaus wird wieder eröffnet – mit hauseigener Brauerei
VON ERHART HOHENSTEIN

Über dem Forsthaus Templin an der Chaussee nach Caputh wird heute die Richtkrone aufgezogen. Die beiden neuen Eigentümer Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler sanieren und modernisieren das alte Gasthaus und haben ihm bereits einen neuen Dachstuhl aufgesetzt.
Das Innere wird umgebaut und mit 90 Plätzen weniger Gäste fassen als zuvor.

Das hat seinen Grund. Nachdem seit der Wende mehrere Versuche von Pächtern scheiterten, dem dahin siechenden Ausflugslokal wieder auf die Sprünge zu helfen, treten die nunmehrigen Eigentümer mit einem neuen Konzept an, das neben der überfälligen Erneuerung der Bausubstanz den Einbau eines Sudwerkes einschließt. Es hat mit 3000 bis 3500 Liter je Sud eine beträchtliche Kapazität, so dass Kirchhoff und Köhler über die Versorgung der eigenen Gäste im Restaurant und im Biergarten hinaus einen Vertrieb sowohl von Fass- als auch von Flaschenbier aufbauen wollen. Vom Pils bis zum Weizen werden verschiedene Sorten hergestellt, mit der für naturbelassenes Bier typischen leichten Trübung.Die beiden Eigentümer sind übrigens einheimische Gewächse. Jörg Kirchhoff aus Potsdam, Thomas Köhler aus Kleinmachnow. In der damaligen Bezirksstadt haben sie von 1987 bis 1989 das ehrsame Brauerhandwerk erlernt und nach dem Fall der Mauer an der Technischen Universität Berlin ein Studium angefügt. In Schleswig und im Emsland verdienten sie sich als Braumeister die ersten beruflichen Sporen.
Beide sind sich durchaus bewusst, dass sie mit der Wiederbelebung des Forsthauses eine uralte Potsdamer Gaststättentradition aufnehmen. Schon 1834 hatte Kaufmann Reinhardt das einstige Kavaliers- und GeseIlschaftshaus in eine "Tabagie", also ein Gasthaus, umgewandelt. Er gab ihm den Namen "Forsthaus", obwohl der Bau nie als solches genutzt worden war. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Ausflugslokal zunehmend zum Anziehungspunkt für die Prominenz. In den alten Gästebüchern finden sich Eintragungen des Schauspielers Gustav Fröhlich und seiner Kollegin Hansi Knoteck, des Astronomen Bruno H. Bürgel und des Komponisten Gustav Büchsenschütz. Auch der Schutzmann Carl Teike, dessen Militärmarsch "Alte Kameraden" die Zeiten überdauert hat, trank im Garten sein Bier.
Doch das einstige Kavaliershaus ist noch mit einer bedeutenderen Persönlichkeit verbunden. Otto von Bismarck verbrachte auf dem Gut, das ab 1819 seinem Onkel Fritz gehörte, mehrfach die Schulferien. Als der spätere Reichskanzler längst eine diplomatischen Karriere gemacht hatte, dachte er noch immer an das schöne Fleckchen Erde zurück. Für sein Alter wünsche er sich, schrieb er, "wie mein alter Onkel in Templin bei Potsdam Obstbäume zu pfropfen".

PNN 16.05.2003

Forsthaus Templin: Richtkrone für das neue Dach

Templiner Vorstadt. Die Richtkrone wurde gestern Nachmittag über dem Forsthaus Templin an der Chaussee nach Caputh aufgezogen. Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis das bereits seit 1834 bestehende Gasthaus wieder eröffnet werden kann - Himmelfahrt soll schon einmal der Biergarten geöffnet werden. Das alte Gebäude wurde modernisiert und bekam einen neuen Dachstuhl aufgesetzt Die neuen Eigentümer Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler lassen auch das Innere des Hauses umbauen - dazu gehört der Einbau eines Sudwerkes, das mit 3000 bis 3500 Litern je Sud eine große Kapazität hat Das selbst gebraute Bier soll jedoch nicht nur im Lokal mit seinen 90 Plätzen ausgeschenkt werden. Die Eigentümer haben das Brauerhandwerk erlernt und an der Technischen Universität Berlin mit einem Studium ergänzt – jetzt wollen sie einen Vertrieb von Fass- und Flaschenbier aufbauen. Das Forsthaus Templin ist eine Ausflugsgaststätte mit großer Tradition. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es zum Anziehungspunkt für die Prominenz - unter anderen speiste der Astronom Bruno H. Bürgel hier. Außerdem verbrachte der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck auf dem Gut, das ab 1819 seinem Onkel gehörte, seine Schulferien. PNN



PNN 30.05.2003

Herrentag in Potsdam: Ansturm am Hafen, Ruhe bei der Polizei

Hochsommerliche Temperaturen machten den gestrigen Himmelfahrtstag für die Herrentags-Ausflügler zum Vergnügen. Meist allerdings waren die Männer nicht nur mit ihresgleichen unterwegs, sondern zogen einen Fahrrad-Ausflug mit der Familie vor. Wer mit der alten Tradition nicht brechen wollte, schützte den Kopf mit einem Strohhut und machte sich mit Spazierstock und geschmücktem Wagen auf den Weg. Besonders gefragt waren Bootstouren - am Potsdamer Hafen an der Langen Brücke herrschte großer Andrang. Mehr als 2000 Passagiere konnte die Weisse Flotte zählen. An Bord gingen aber nicht nur Männergruppen, sondern auch Familien und Touristen. Bevorzugtes Ausflugsziel war das Forsthaus Templin. Das Potsdamer Traditionslokal wird gerade saniert - der Biergarten war aber schon zum Probelauf geöffnet.
Aus Sicht der Polizei war es ein friedlicher Himmelfahrtstag: Besondere Vorkommnisse musste die Wache Mitte des Schutzbereiches Potsdam zumindest bis zum Abend nicht registrieren. lm Vergleich zu den Vorjahren habe man nur sehr wenigen Männern wieder "auf die Beine helfen" müssen, sagte ein Sprecher. PNN/dpa

PNN 13.12.2003

Ab Sonntag ins „Forsthaus Templin“ -  Seit 1834 bestehendes Ausflugslokal nach sechsjährigem Leerstand wieder geöffnet.

Caputher Heide. Am Sonntag , 14 Uhr, ist es soweit – das traditionsreiche Ausflugslokal „Forsthaus Templin“ öffnet nach sechsjähriger Schließung seine Pforten. Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff, die das Gasthaus auf dem 6490 m² großen Grundstück erworben und seit April saniert haben, bieten den Eröffnungsgästen bernsteinfarbenes Lagerbier und dunkleren, süffigen Weihnachtsbock an. Gruppen können sich ein Zehn-Liter-Fässchen auf den Tisch stellen lassen.


Die beiden Eigner treten mit dem neuen Konzept einer „Braumanufaktur“ an. In zehn Edelstahltanks reifen je Sud etwa 4000 Hektoliter verschiedener Biersorten heran. Zwei kupferne Sudkessel aus den zwanziger Jahren und von der einstigen Malzbierbrauerei Seibert in Babelsberg übernommene Eichenfässer, Gärbottiche und Bierflaschen geben dem Ganzen einen nostalgischen Touch. Gäste können sich durch die Brauerei führen lassen und im Februar an einem Brauseminar teilnehmen. Gebraut werden soll auch wieder die „Potsdamer Stange“. Sie wird im 94 Plätze bietenden Gastraum, zu dem sich im Sommer ein 100 Personen fassender Biergarten mit Kinderspielplatz gesellt, angeboten und in Henkelflaschen, Siphons und Zehn-Liter-Fässchen außer Haus verkauft. Über ein Vertriebssystem sollen auch andere Gaststätten beliefert werden.

Die Küche bietet solide deutsche Gerichte. Auf der Speisekarte werden unter anderem Wildgulasch, Eisbein und Braumeistersteak stehen, alles unter zehn Euro. Außerdem sind mehrere Brotzeiten (3,60 Euro) verzeichnet, deren Grundlage das aus einem Nebenprodukt des Brauprozesses gebackene Treberbrot ist. An den beiden Weihnachtsfeiertagen ist Gänseessen angesagt, Silvester gibt es ein Buffet und Musik. Karten dafür werden ab 17. Dezember angeboten.

Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler, beide 33 Jahre alt, kommen aus dem Fach und aus der Region. Der Kleinmachnower Kirchhoff und der Potsdamer Köhler haben in der Landeshauptstadt das Brauerhandwerk erlernt, an der TU Berlin ein Studium angefügt und sich in Schleswig und im Emsland erste berufliche Sporen als Braumeister verdient.

Als heimatverbundene Menschen werden sie auch die Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes sichtbar machen. Dazu haben sie fleißig Postkarten gesammelt, die älteste von 1905, und wollen sie als Reproduktionen anbieten. Das „Kavalier- und Gesellschaftshaus“ für die Unterbringung von Gästen gehörte einst zum 1819 durch den pensionierten General Friedrich von Bismarck erworbenen Gutsgelände. Hier verbrachte dessen Neffe, der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck, mehrfach die Schulferien. 1834 richtete der Kaufmann Eduard Reinhardt eine „Tabagie“ ein und nannte sie „Forsthaus Templin“, obwohl dort nie ein Förster wohnte. Ab Anfang der 30er Jahre erlebte das Ausflugslokal einen Boom. In das Gästebuch, das leider „verschollen“ ist, trugen sich u.a. der Schauspieler Gustav Fröhlich, der Astronom Bruno H. Bürgel und der Komponist Gustav Büchsenschütz ein.



Nach der „Wende“ scheiterten zwei Versuche, dem Ausflugslokal nahe dem Strandbad Templin neues Leben einzuhauchen. Morgen wird nun es mit erneuertem Dach, das durch Gauben und Biberschwänze sein denkmalgerechtes Aussehen bewahrte, sandsteinfarbener Fassade und mit viel Holz gestaltetem Gastraum wieder die Türen öffnen.

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