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Berliner Morgenpost 18.01.2004

Süffige Reise durch das Bierland Brandenburg
In Halle 21a auf der Grünen Woche zeigt sich die Mark von ungewohnter Seite

von Peter Schelling

 

Berlin - Auf der Grünen Woche kann es für die Brandenburger Lebensmittelproduzenten nur ein Ziel geben: auffallen. Radigks Brauhaus aus Finsterwalde versucht es mit Roggenbier. Dunkel ist es und sämig, mit einem ganz eigenen, malzigen Geschmack. Dem etwa 60-jährigen Berliner mit Kapitänsmütze schmeckt es sichtlich. Das erste Glas ist geleert, er will eigentlich weggehen, wendet aber auf dem Absatz und aus dem schon leicht geröteten lächelnden Gesicht dringen die Worte: "Doch noch eins."

Dieses "Doch noch eins" könnte 2004 durchaus zum Motto der Brandenburghalle auf der Grünen Woche werden. Unter den Spezialitäten, die die märkischen Lebensmittelproduzenten in der Hauptstadt bekannt machen wollen, steht das Bier ganz weit oben. Oft ist es in kleinen, meist Gasthausbrauereien hergestellter Gerstensaft. Ganz neu ist die Produktion des Forsthauses Templin. Dort füllt Brauermeister Jörg Kirchhoff Bier mit einer etwa 100 Jahre alten Anlage ab. Die Flasche Lager mit Schnappverschluss kostet 2,50 Euro und will wegen geringer Haltbarkeit schnell getrunken werden. Aus dem Hahn rinnt es frisch gezapft. Und auch nach dem dritten Glas will es nicht schlechter schmecken.

Nebenher ist Kirchhoff hauptsächlich mit dem Vermeiden von Irrtümern beschäftigt. Auf die Frage, wo denn im uckermärkischen Templin ein Forsthaus stehe, muss er immer erklären, dass es Templin noch einmal gibt: zwischen Caputh und Potsdam. 3000 Euro kostet der kleine Stand das am 14. Dezember neu eröffnete Gasthaus an Miete. "Dieses Jahr machen wir das, um bekannt zu werden." Dass er wiederkommen wird, glaubt Kirchhoff zwar nicht, aber der Plan scheint aufzugehen: Für den Fotografen einer Nachrichtenagentur beißt der Mann mit dem urigen Bart in eine Gurke. Das Radio war schon da, der Termin fürs Fernsehen ist gebucht.

Und die Brauerliste ließe sich verlängern: Um Preußen-Pils aus Pritzwalk, Spreewälder Zwickel aus Schlepzig, oder das Frankfurter Pils zum Beispiel, das als Nachhut von Schultheiss dem Untergang gerade noch einmal entkommen ist. Wohl bekomms!

Wer zwischendurch Hunger bekommt, kann es ja mit einem "Brandenburger" versuchen. Der besteht aus einer Scheibe gehacktem Bio-Rindfleisch, eingeklemmt zwischen zwei Brötchenhälften, die unerwartet hart und überraschend gewürzt sind, begleitet von sauren Gurken und einem Salatblatt. Der Hackfleischklops hat Verwandte in den Vereinigten Staaten und stammt aus der Fleischerei Feindura in Reinickendorf. Das Fleisch immerhin kommt aus Zempow und so hat zumindest hier die Länderfusion bereits stattgefunden.

Fleisch, Wurst und zur Begleitung dienende Produkte wie Brot und Senf bilden einen zweiten Schwerpunkt der Brandenburghalle. Auch hier das Bemühen, besonders originell zu sein: "Straußenleberwurst, nur bei uns und in Südafrika. Sparnse Reisekosten", ruft der Verkäufer vom Stand des Kooperationsverbundes Elster-Röderland in der Niederlausitz. Gleich zwei Hersteller preisen Senf mit bemerkenswerten Geschmacksrichtungen wie Curry oder Pflaume an.

Bei etlichen ist das paradoxe Bemühen zu erkennen, ein traditionsreiches Brandenburger Produkt herzustellen, das es noch nicht gibt. Andere mühen sich, regionale Produkte, die auszusterben drohen, vor dem Untergang zu bewahren. So etwa das Teltower Rübchen, das im Kochstudio an der Bühne des RBB beworben wird, als wäre es der Erbonkel, der die ganze märkische Familie reich macht. Ein Stand widmet sich der uckermärkischen Tabakproduktion. Die überlebt auch nur durch Subventionen von der EU.

Gut, dass da noch ein paar Klassiker sind, auf die man sich verlassen kann: die Spreewälder Gurke etwa und Fruchtsäfte und Weine aus Werder, die Wildspezialitäten aus der Schorfheide und der Spargel aus Beelitz. Wobei nicht sofort einzusehen ist, was der eigentlich auf einer Pizza zu suchen hat. Aber auffallen tut es.


MAZ 19.01.2004

VOR ORT : POTSDAM : AUF EINEN BLICK

Namen & Nachrichten

Im Frühjahr wollen Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler, Inhaber der jüngst eröffneten Braumanufaktur Forsthaus Templin, mit ihren Bierkreationen auf den Markt gehen. Deswegen präsentieren sie ihr "Lager" als Newcomer derzeit auf der Grünen Woche in Berlin. Es werde gut angenommen, aber große Geschäfte könnten sie damit nicht machen - die Standmiete sei zu hoch. "Aber wir haben auch noch Bierlikör mitgenommen; ein Rezept, welches ich im Emsland entwickelt habe", so Köhler. "Unser Lagerbier wird mit Zucker aufgekocht und später noch mit Weinbrand versetzt." Zu Showzwecken wird mit der "melkenden Kuh" abgefüllt, einer der ersten Abfüllmaschinen für Bügelflaschen - über 100 Jahre alt. "Die haben wir von der Brauerei Seibert aus Babelsberg gekriegt, der letzten Privatbrauerei in Potsdam", so Köhler. Auch die Bügelflaschen sind nicht gerade leicht zu beschaffen: "Es gibt nur noch ein Glaswerk in Deutschland, das diese herstellt - in Lohr am Main im Spessart", so Köhler. Neben Lager und Pils und den verschiedenen saisonalen Sorten wie Maibock und Erntedankfest-Bier wollen Köhler und Kirchhoff auch bald wieder die "Potsdamer Stange" herauszubringen

MAZ 28/29.02.2004

Köstliches aus dem Zapfhahn
Im „Forsthaus Templin“ bei Potsdam wird die alte Tradition der Gasthausbrauerei neu belebt

ILDIKO RÖD

So richtig einsam muss man sich im „Forsthaus Templin" nie fühlen, selbst wenn keine anderen Gäste unterm Gebälk der Gaststätte speisen. Wird man doch unablässig von Blicken aus dunklen Plastikaugen von der Wand herunter begleitet. Ein paar Mufflonköpfe hängen da, sogar ein Uhu lugt von luftiger Balkenhöh' herab, und auch ein Hirschkopf an imposant langem Hals findet sich dort.

Die forschenden Hirschaugen zur breiten Fensterfront hin geben gleich die lohnendste Aussichtsrichtung vor: zur Havel hinunter, die hinter der Verbindungsstraße zwischen Potsdam und Caputh durchs Ufergehölz glitzert und im kommenden Sommer wahrscheinlich viele Radler und Ausflügler in den Gastgarten des „Forsthauses" ziehen wird, das im vergangenen Dezember seine Pforten öffnete und vorzugsweise auf gutbürgerliche Küche setzt.

 

Schon den Altvorderen hatte es das lauschige Waldambiente am Wasser angetan. Zunächst als Bleichplatz genutzt, lockte das Areal bereits ab dem 18. Jahrhundert die besser gestellten Erholungssuchenden. 1797 ließ der Potsdamer Kanonikus Tamm einen Herrensitz bauen, der 1819 in den Besitz des Generalleutnants Friedrich von Bismarck überging. Der junge Otto, nachmaliger Reichskanzler und Neffe des Templiner Gutsbesitzers, soll dort mit ausgedehnten Ritten und Weinverkostungen denkwürdige Urlaube verlebt haben. Doch schon in den 1830er Jahren setzte mit der Einrichtung einer Ausflugsgaststätte für die Potsdamer Bürgerschaft die Demokratisierung des Naturparadieses ein. Eine Prise Glamour kam in den 1930er Jahren hinzu, als sogar die Ufa-Prominenz gern im Lokal einkehrte. In der Nachkriegszeit gab es ein paar halbherzige Versuche zur Wiederbelebung des Gastbetriebes, denen jedoch nie viel Glück beschieden war .Bis jüngst die Idee einer zweifachen Renaissance aufkam: Nicht nur die Gastronomie und der Ausschank sollten neu eröffnet werden. Auch die uralte, mittlerweile aus der Mode gekommene Tradition der Gasthausbrauerei wollen Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler auferstehen lassen. Nach Wanderjahren im Emsland und in Schleswig-Holstein hat es die beiden Braumeister aus dem Brandenburgischen wieder in die Heimat gezogen - mitsamt zukunftsträchtigem Gastronomiekonzept: Köstliches von Lager bis Pils wird nun im Hause hergestellt. "Hier braut der Cherf“ - so könnte ein möglicher Werbespruch fürs "Forsthaus" lauten, wo eine kupferne Braupfanne und ein Läuterbottich ein ganzes Eck der Wirtsstube einnehmen. Hübsch fangen sich die herein fallenden Sonnenstrahlen im hochglanzpolierten Metall der Pfanne, die noch aus den 1920er Jahren stammt.

Doch nicht nur für die Optik macht sich das alte Kupfer bestens - auch dem Biergeschmack kommt' s zugute: Ganz anders würde das munden als ein in modernen Edelstahlbehältern entstandenes Bier, erklärt Jörg Kirchhoff, der ebenso bei den Zutaten auf Bewährtes setzt: nicht auf Hopfenextrakt, wie ihn die Großbrauer heutzutage verwenden, sondern auf die guten alten Hopfenblüten. Und im "Forsthaus" darf sich das Bier obendrein Zeit mit dem Reifen lassen: nicht zwei Wochen, wie in den Industriebetrieben, sondern fünf. Wo derart auf Überkommenes gesetzt wird, will man auch aufs lokale Erbe nicht verzichten. Deshalb soll ab Juni das "Potsdamer Stangenbier" wiederbelebt werden. Eine Sorte, bei dem Lager- mit jungem Bier versetzt und ein zweites Mal vergoren wird. Ergebnis ist ein Gebräu mit höherem Kohlensäure-Gehalt, das in eigenen "Stangengläsern" kredenzt wird und sicher nicht nur Potsdamern schmecken wird, die den Namen spendeten.

Info
"Forsthaus Templin", Templiner Straße 102, 14473 Potsdam,  033209/21 7979,
Öffnungszeiten: So - Do 11 bis 23 Uhr, Fr - Sa 11 bis 1 Uhr

PNN, 10.03.2004

Potsdam-Mittelmark
Nach über 80 Jahren gibt es wieder Werdersches Bier

Werder. Nach mehr als 80 Jahren Unterbrechung soll anlässlich des 125. Baumblütenfestes nun wieder echtes „Werdersches Bier“ gebraut werden. Das kündigte Bürgermeister Werner Große gestern öffentlich an. Das ehemals berühmte Schwarzbier, dem Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark ein ganzes Kapitel widmete, wird in der Potsdamer Braumanufaktur „Forsthaus Templin“ eingebraut. Das Brauwasser soll direkt aus dem Herzen der Werderschen Inselstadt sprudeln. Zu diesem Zweck wird am kommenden Donnerstag um 11 Uhr vor dem Alten Rathaus auf der Insel ein Tanklöschfahrzeug der Werderaner Feuerwehr mit 4000 Litern Wasser gefüllt und dann Richtung Forsthaus Templin gesteuert. Die ersten 4000 Liter Bier sollen dann zum Blütenfest ab 24. April ausgeschenkt werden.

Generalanzeiger Werder, 11.03.2004

"Werdersches" wird gebraut

Nach über 80 Jahren Unterbrechung wird wieder "Werdersches Bier" gebraut.
Das ehemals berühmte Werdersche Bier, dem Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark" ein ganzes Kapitel widmete, wird in der Braumanufaktur Forsthaus Templin, Templiner Str. 102 in Potsdam eingebraut.
Am Donnerstag, den 11. März 2004 wird um 11.00 Uhr vor dem Alten Rathaus Inselstadt ein Tanklöschfahrzeug der Werderaner Feuerwehr mit 4.000 Liter Wasser gefüllt, das anschließend in die Braumanufaktur Templin gebracht wird. Die ersten 4.000 Liter sollen dann anlässlich des 125. Baumblütenfestes ausgeschenkt werden.

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